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InsideUX Design

Die Suche auf der Website: Warum sie oft scheitert und wie du sie verbesserst

Viele Website-Suchen finden nur, was exakt so heißt wie im System. Warum die Suche so oft scheitert und wie du sie mit sechs Hebeln und einem Blick ins Suchlog verbesserst.

Stell dir einen Onlineshop für Küchenbedarf vor. Jemand braucht einen neuen Pfannenwender, tippt das Wort ins Suchfeld und bekommt: „Keine Ergebnisse gefunden“. Dabei hat der Shop zwölf Modelle im Sortiment. Sie heißen dort nur anders, nämlich „Bratenwender“. Der nächste Versuch, „Pfanenwender“ mit einem n, endet genauso. Danach ist das Suchfeld leer, die Person tippt nicht ein drittes Mal, sondern wechselt zur Suchmaschine und landet bei der Konkurrenz.

Solche Momente sind auf vielen Websites Alltag. Menschen, die genau wissen, was sie wollen, nehmen gern den direkten Weg über das Suchfeld. Gleichzeitig ist sie eine Funktion, um die sich im Projekt oft niemand richtig kümmert. Das Design bekommt ein Suchfeld, die Technik eine Standardsuche, und dann läuft sie. Ob sie Menschen tatsächlich zum Ziel bringt, prüft kaum jemand.

Dieser Artikel zeigt, warum die Suche auf Websites so oft scheitert, was die Forschung über das Verhältnis von Suche und Navigation sagt und mit welchen Hebeln du sie verbesserst. Der Küchenshop dient dabei als durchgehendes Beispiel. Er ist erfunden, aber typisch.

Suchen oder klicken: Was die Forschung wirklich sagt

In vielen Vorträgen und Artikeln taucht eine Behauptung auf: Die Hälfte aller Menschen geht auf einer Website sofort zur Suche. Sie geht auf eine Kolumne von Jakob Nielsen aus dem Jahr 1997 zurück. Darin schreibt er, dass mehr als die Hälfte der Menschen „search-dominant“ sei, also meist direkt zum Suchfeld gehe, etwa ein Fünftel „link-dominant“, und der Rest zwischen beidem wechsle. Die Zahlen stammen laut Text aus den eigenen Usability-Studien, Angaben zu Stichprobe und Methode enthält die Kolumne nicht. Und sie ist fast 30 Jahre alt.

Jared Spool hat die These 2001 überprüft. Sein Team beobachtete 30 Menschen bei 121 Einkaufsaufgaben auf jeweils drei bis sechs Websites. Nicht eine einzige Person nutzte immer zuerst die Suche, obwohl manche das von sich behaupteten. Etwa 20 Prozent klickten dagegen ausschließlich über Links. Entscheidender als die Person war laut Spool die Website selbst: Manche Seiten brachten Menschen dazu, eher zu suchen, andere eher zu klicken. Auch die Art des Produkts spielte eine Rolle. Bücher oder CDs wurden eher gesucht, Kleidung eher über Kategorien erkundet. Oft griffen Menschen dann zur Suche, wenn die Links auf der Startseite keine klare Spur zum Ziel boten, also wenig Information Scent hatten.

Spätere Artikel der Nielsen Norman Group (NN/g) argumentieren differenzierter. Raluca Budiu beschreibt 2014 in „Search Is Not Enough“, warum eine Suche die Navigation nicht ersetzt. Menschen müssen für eine gute Suchanfrage wissen, wonach sie suchen und wie es heißt. Sie müssen sich an Begriffe erinnern, statt sie wiederzuerkennen, und tippen ist aufwendiger als klicken. Dazu kommt, dass viele Website-Suchen schwächer sind als die großen Suchmaschinen, an die Menschen gewöhnt sind. Die Navigation zeigt dagegen, was es überhaupt gibt. Gleichzeitig hält der Artikel fest: Für Menschen mit einem klaren Ziel ist die Suche unverzichtbar.

Für die Praxis heißt das: Es gibt nicht „die Suchenden“ und „die Klickenden“. Dieselbe Person sucht in einem Moment und klickt im nächsten, je nachdem, wie gut die Website beides unterstützt. Eine gute Suche ist deshalb kein Ersatz für eine durchdachte Informationsarchitektur, sondern ihre Ergänzung. Wie du die Struktur selbst aufbaust, beschreibt der Artikel Einführung in die Informationsarchitektur.

Warum Website-Suchen so oft scheitern

Wie verbreitet die Probleme sind, zeigt das Baymard Institute, das seit Jahren Onlineshops in Usability-Studien und Benchmarks untersucht. In seiner Auswertung der Such-UX von über 170 Websites und Apps für 2026 bieten 56 Prozent keine ausreichende Unterstützung für die Suchbedürfnisse der Menschen. Bei Desktop-Websites liegen 46 Prozent im Bereich „mittelmäßig oder schlechter“, bei mobilen Websites 58 Prozent und bei Apps 64 Prozent.

Besonders aufschlussreich ist die Aufschlüsselung nach Art der Suchanfrage. Baymard unterscheidet unter anderem:

  • Exakte Suchen nach einem Produktnamen oder einer Artikelnummer: 12 Prozent der Websites haben hier Probleme.
  • Suchen nach Produkttyp wie „Pfannenwender“: 20 Prozent.
  • Suchen nach einem Problem („Symptom“), etwa „Pfanne klebt“: 37 Prozent.
  • Suchen nach Eigenschaften wie „Pfanne induktionsgeeignet“: 39 Prozent.
  • Suchen nach Einsatzzweck wie „Pfanne für Crêpes“: 43 Prozent.
  • Suchen nach Kompatibilität wie „Deckel für 28-cm-Pfanne“: 44 Prozent.
  • Abkürzungen und Symbole wie „28 cm“ statt „28 Zentimeter“: 54 Prozent.
  • Suchen nach Nicht-Produkten wie „Rücksendung“ oder „Versandkosten“: 66 Prozent.

Die Beispiele in Klammern stammen aus dem Küchenshop, die Prozentwerte aus dem Benchmark. Das Muster ist deutlich: Solange Menschen genau den Begriff eintippen, der im Shop steht, klappt die Suche meist. Sobald sie in ihren eigenen Worten suchen, nach einem Problem, einem Zweck oder einer Service-Information, scheitern viele Suchen. Und genau so suchen Menschen.

Der Kern des Problems ist also selten die Technik allein, sondern eine Lücke zwischen der Sprache des Unternehmens und dem mentalen Modell der Menschen, die suchen. Die folgenden Hebel setzen genau dort an.

Sechs Hebel für eine bessere Suche

1. Ein sichtbares Suchfeld, das Platz für die Anfrage hat

Menschen suchen das Suchfeld an der Stelle, an der es auf den meisten Websites steht. Jakob Nielsen empfahl schon 2001, das Suchfeld oben auf der Seite zu platzieren, meist rechts, und auf der Startseite als Eingabefeld statt als bloßen Link anzubieten. Das passt zu Jakob’s Law: Menschen erwarten, dass deine Website funktioniert wie die anderen, die sie kennen.

Ein häufiger Kompromiss ist ein Lupensymbol, hinter dem sich das Suchfeld erst nach einem Klick öffnet. Die NN/g hat dieses Muster 2014 untersucht. Ergebnis: Die Lupe allein macht die Suche deutlich schwerer auffindbar, und sie kostet zusätzliche Schritte. Für Desktop-Websites empfiehlt Katie Sherwin deshalb ein offenes Eingabefeld neben dem Symbol, das mindestens 27 Zeichen breit ist, damit Menschen ihre Anfrage sehen und korrigieren können. Auf dem Smartphone ist es vertretbar, das Feld hinter der Lupe zu verstecken, weil dort der Platz fehlt und das Symbol bekannt ist.

Ein kleines, aber wirkungsvolles Detail: Die Anfrage sollte nach dem Absenden im Suchfeld stehen bleiben. Laut Baymard leeren 33 Prozent der Desktop-Websites und 42 Prozent der mobilen Websites das Feld nach der Suche. Wer dann die Anfrage leicht verändern will, muss alles neu tippen.

  • Vorher: Im Küchenshop eine Lupe oben rechts, die ein schmales Feld ausklappt. Nach dem Absenden ist das Feld wieder leer.
  • Nachher: Auf dem Desktop ein offenes Suchfeld mit sichtbarer Beschriftung, breit genug für „Deckel für 28-cm-Pfanne“. Auf der Ergebnisseite steht die Anfrage weiterhin im Feld.

Denk dabei auch an Barrierefreiheit: Das Suchfeld braucht eine Beschriftung, die Screenreader vorlesen können, auch wenn sie visuell nur als Platzhalter erscheint.

2. Autocomplete, das wirklich hilft

Autocomplete, also Vorschläge, die schon beim Tippen erscheinen, ist im E-Commerce Standard. Baymard fand die Funktion 2022 auf 80 Prozent der untersuchten Websites, aber nur 19 Prozent setzten alle Details richtig um. Zu den Empfehlungen gehören: auf dem Desktop nicht mehr als etwa zehn Vorschläge, auf dem Smartphone etwa vier bis acht, keine Scrollbalken in der Vorschlagsliste, der aktive Vorschlag klar hervorgehoben und die Liste vollständig per Tastatur bedienbar.

Wie oft Menschen Vorschläge nutzen, hat die NN/g in einer Studie zu Onlineshops gemessen: In 23 Prozent der Fälle, in denen Vorschläge erschienen, wählten die Testpersonen einen davon aus. Das klingt nach wenig, bedeutet aber auch: Die Vorschläge beeinflussen einen relevanten Teil der Suchen. Umso wichtiger ist die Regel, die Kate Moran in ihrem Artikel aufstellt: Jeder vorgeschlagene Begriff muss tatsächlich zu guten Ergebnissen führen. Ein Vorschlag, der ins Leere läuft, ist schlechter als keiner.

Die NN/g rät deshalb, Vorschläge nicht ungefiltert aus den Suchprotokollen zu übernehmen, sondern kuratierte Begriffe zu nutzen, die nachweislich Ergebnisse liefern. Visuell sollte erkennbar sein, welcher Teil des Vorschlags getippt und welcher ergänzt wurde.

Im Küchenshop schlägt das Suchfeld bei „pfan“ jetzt „Pfanne“, „Pfannenwender“ und „Pfannendeckel“ vor, darunter „Pfannen in Kochgeschirr“ als Kategorie, optisch abgesetzt.

3. Tippfehler verzeihen

Menschen vertippen sich, gerade auf dem Smartphone, und sie wissen nicht immer, wie ein Markenname geschrieben wird. Laut Baymard bieten 69 Prozent der Websites keine passenden Autocomplete-Vorschläge, wenn eine Anfrage leicht falsch geschrieben ist.

Page Laubheimer beschreibt für die NN/g mehrere Techniken, die helfen:

  • „Meinten Sie …?“: Ein Korrekturvorschlag auf der Ergebnisseite. Liefert die ursprüngliche Anfrage gar nichts, kann die Suche direkt die Ergebnisse für die korrigierte Schreibweise zeigen, solange sie das klar kennzeichnet.
  • Stemming: Die Suche führt Wörter auf ihren Stamm zurück, sodass etwa „Pfanne“ und „Pfannen“ oder „Reibe“ und „Reiben“ einander finden. Das erhöht die Trefferzahl, kann aber die Genauigkeit senken.
  • Ähnlich klingende Wörter: Verfahren wie Soundex finden Begriffe, die ähnlich klingen, aber anders geschrieben werden. Das hilft besonders bei Eigennamen und Marken.
  • Vorher: „Pfanenwender“ führt zu „Keine Ergebnisse gefunden“.
  • Nachher: „Ergebnisse für ‚Pfannenwender‘. Stattdessen nach ‚Pfanenwender‘ suchen?“, darüber die zwölf passenden Produkte.

Wichtig ist die Transparenz. Eine Suche, die stillschweigend etwas anderes sucht als eingegeben, verwirrt Menschen, wenn die Ergebnisse nicht zur Anfrage passen.

4. Die Sprache der Menschen sprechen: Synonyme

Der Pfannenwender aus der Einleitung ist ein klassisches Synonymproblem. Der Shop nennt das Produkt so, wie es der Großhandel tut, die Menschen suchen es mit ihrem Alltagswort. Laubheimer empfiehlt Synonymtabellen, in denen Begriffe der Menschen auf die Begriffe im Bestand abgebildet werden. Auch Abkürzungen und Schreibvarianten gehören dazu. Baymard nennt als Beispiel, dass „mm“ und „Millimeter“ zu denselben Ergebnissen führen sollten.

Ein häufig übersehener Fall sind Suchen, die gar keinem Produkt gelten. Menschen tippen „Rücksendung“, „Versandkosten“, „Gutschein“ oder „Filialen“ in das Suchfeld, weil sie davon ausgehen, dass die Suche die ganze Website kennt. Laut Baymard scheitern 66 Prozent der Websites an solchen Anfragen. Die Lösung ist oft einfach: Service-Seiten in den Suchindex aufnehmen und für die häufigsten Begriffe gezielt passende Seiten oben einblenden.

Woher du weißt, welche Synonyme fehlen? Aus dem Suchlog, dazu gleich mehr. Auch Methoden wie Card Sorting zeigen, welche Begriffe Menschen selbst für Inhalte verwenden.

5. Null Treffer ist keine Sackgasse

Selbst eine gute Suche findet nicht immer etwas. Entscheidend ist dann, was die Seite ohne Treffer anbietet. Laut Baymard schaffen es fast 50 Prozent der Websites nicht, Menschen nach einer erfolglosen Suche wirksam weiterzuhelfen. Viele Seiten zeigen nur „Keine Ergebnisse“ und vielleicht ein paar allgemeine Suchtipps.

Kathryn Whitenton formuliert für die NN/g drei Grundregeln: klar sagen, dass nichts gefunden wurde, Ansatzpunkte zum Weitermachen bieten und auf Witze verzichten, die Menschen auf sich beziehen könnten. Baymard ergänzt fünf Strategien für Onlineshops: verwandte Kategorien anbieten, alternative Suchanfragen vorschlagen, personalisierte Empfehlungen zeigen, Kontaktmöglichkeiten wie Telefon oder Chat nennen und beliebte Produkte oder Kategorien zeigen.

  • Vorher: „Keine Ergebnisse gefunden. Bitte überprüfe deine Schreibweise.“
  • Nachher: „Für ‚Crêpe-Pfanne gusseisern‘ haben wir nichts gefunden.“ Darunter Vorschläge wie „Crêpe-Pfanne“ und „Gusseisenpfannen“ mit Vorschaubildern, ein Link zur Kategorie Pfannen und der Hinweis „Du suchst etwas Bestimmtes? Unser Team berät dich telefonisch“.

Die Seite ohne Treffer ist außerdem eine gute Stelle für Microcopy, die nicht belehrt, sondern weiterhilft. „Überprüfe deine Schreibweise“ schiebt die Verantwortung zur suchenden Person. Ein konkreter Vorschlag nimmt ihr Arbeit ab.

6. Filter und Facetten, die zur Suche passen

Bei großen Sortimenten liefert auch eine gute Suche viele Treffer. Hier helfen Filter. Die NN/g unterscheidet zwischen einfachen Filtern, die Inhalte nach einem Kriterium ausschließen, und facettierter Navigation, die mehrere Filter für verschiedene Eigenschaften kombiniert, etwa Material, Durchmesser, Herdart und Preis. Facetten sind flexibler und helfen Menschen zu verstehen, was es überhaupt gibt. Sie sind aber aufwendiger in der Pflege, weil jedes Produkt die passenden Daten braucht, und sie erhöhen die Zahl der Optionen. Ein einfacher Filter ist oft schneller verstanden.

Budiu beschreibt Facetten als Brücke zwischen Suche und Navigation: Sie verwandeln eine Suche in eine Navigation, weil sie die Struktur des Angebots sichtbar machen. Wer „Pfanne“ sucht und dann nach „induktionsgeeignet“ und „28 cm“ filtert, muss diese Eigenschaften nicht vorher kennen.

Zwei Details entscheiden über die Usability. Erstens müssen aktive Filter sichtbar sein. Laut Baymard zeigen 28 Prozent der Websites keine Übersicht der angewendeten Filter. Dann wundern sich Menschen, warum ein Produkt fehlt, das sie gestern noch gesehen haben. Zweitens solltest du vorsichtig mit eingeschränkten Suchbereichen sein, etwa einer Suche, die nur in der aktuellen Kategorie sucht. Nielsen nannte das schon 2001 „gefährlich“, weil Menschen die Einschränkung oft übersehen. Seine Empfehlung: standardmäßig die ganze Website durchsuchen und den Suchbereich auf der Ergebnisseite deutlich nennen.

Das Suchlog: die unterschätzte Forschungsquelle

Jede Website mit einer Suche sammelt nebenbei einen Datensatz, von dem andere Research-Methoden nur träumen können: Tausende Anfragen in den Worten der Menschen, die etwas auf deiner Website suchen. Susan Farrell nennt die Analyse dieser Suchprotokolle für die NN/g „eine der größten verpassten Chancen“ in der UX-Forschung.

Ihr Vorgehen lässt sich mit überschaubarem Aufwand umsetzen:

  1. Die häufigsten Anfragen auswerten: Exportiere die 1.000 häufigsten Suchbegriffe aus drei bis sechs Monaten. Geh etwa die obersten 300 durch und gruppiere sie nach Themen und Synonymen.
  2. Anfragen ohne Treffer prüfen: Sie zeigen Tippfehler, fehlende Synonyme und Inhalte, die Menschen erwarten, die es aber nicht gibt.
  3. Die längsten Anfragen lesen: Ganze Sätze verraten, was hinter kurzen Suchbegriffen steckt.
  4. Auf Zahlen achten: Viele numerische Anfragen sind Artikelnummern. Findet die Suche sie nicht, lohnt sich eine Suche nach Produktnummern.
  5. Sitzungen ansehen: Mehrere ähnliche Suchen derselben Person kurz hintereinander deuten darauf hin, dass die ersten Versuche nichts Brauchbares geliefert haben.
  6. Die Top-Anfragen selbst testen: Gib die 100 häufigsten Anfragen ein und prüf die erste Ergebnisseite. Wo die Ergebnisse nicht passen, helfen Synonyme, manuell gesetzte Top-Treffer oder Anpassungen der Gewichtung.

Farrell empfiehlt, das etwa alle sechs Monate zu wiederholen, und Ausreißer im Kontext zu lesen: Eine Werbekampagne oder ein Zeitungsartikel kann eine Anfrage kurzfristig nach oben spülen.

Im Küchenshop förderte schon die erste Auswertung drei Dinge zutage. „Pfannenwender“ stand weit oben unter den Anfragen ohne Treffer, ebenso „Retoure“. Unter den häufigsten Anfragen fanden sich viele Artikelnummern aus dem gedruckten Katalog, die die Suche nicht kannte. Alle drei Probleme ließen sich mit einer Synonymtabelle, einer indexierten Service-Seite und einer Nummernsuche beheben, ohne neues Design.

Eine Einschränkung gilt auch hier: Das Suchlog zeigt, was Menschen suchen, aber nicht, warum sie scheitern oder was sie danach tun. Für das Warum brauchst du qualitative Methoden. Ein Usability-Test mit realistischen Suchaufgaben, formuliert aus den häufigsten Anfragen im Log, ist dafür ein guter Startpunkt. Außerdem gilt: Suchanfragen können persönliche Daten enthalten, etwa Namen oder E-Mail-Adressen. Kläre deshalb vorab mit den Verantwortlichen für den Datenschutz, was gespeichert und ausgewertet werden darf.

Fallstricke: Wann die Suche zum Problem wird

Die Suche als Krücke. Eine starke Suche verführt dazu, die Navigation zu vernachlässigen. Wie oben beschrieben, brauchen Menschen aber beides. Wer sich nicht auskennt, kann keine gute Suchanfrage formulieren, und wer stöbern will, sucht nicht. Wenn bestimmte Inhalte fast nur über die Suche gefunden werden, ist das ein Hinweis auf ein Problem in der Struktur, das du etwa mit Tree Testing untersuchen kannst.

Zu aggressive Korrekturen. Tippfehlertoleranz und Synonyme können über das Ziel hinausschießen. Wer nach einer exakten Artikelnummer sucht und ähnliche Nummern bekommt, landet beim falschen Produkt. Prüf neue Regeln deshalb an echten Anfragen aus dem Log.

Gekaufte Platzierungen in den Ergebnissen. Manuell hochgestufte Treffer sind sinnvoll, wenn sie Menschen helfen. Werden sie zum Werbeplatz, riskierst du das Vertrauen in die Suche. Laubheimer rät außerdem davon ab, Top-Treffer in einem separaten Kasten anzuzeigen, weil Menschen solche Kästen oft übersehen. Besser ist, sie in die normale Ergebnisliste einzureihen.

Benchmarks als Maßstab für alles. Die Zahlen von Baymard stammen aus dem E-Commerce. Eine Behörden-Website, ein Intranet oder eine Wissensdatenbank haben andere Inhalte und andere Suchmuster. Die Prinzipien lassen sich übertragen, die Prozentwerte nicht.

Fazit

Ob Menschen suchen oder klicken, hängt weniger von ihrem Typ ab als von der Situation und von der Website. Eine gute Suche ist deshalb kein Ersatz für eine gute Navigation, sondern ihr Gegenstück für alle, die wissen, was sie wollen. Sie scheitert selten an der Technik allein, sondern meist an der Lücke zwischen den Begriffen des Unternehmens und denen der Menschen.

Der Küchenshop aus dem Beispiel hat dafür keine neue Suchmaschine gebraucht. Ein sichtbares Suchfeld, das die Anfrage behält, kuratierte Vorschläge, Toleranz für Tippfehler, eine Synonymtabelle, eine Seite ohne Treffer, die weiterhilft, und sichtbare Filter haben gereicht. Die wichtigste Grundlage dafür lag die ganze Zeit im Suchlog: Tausende Anfragen, die zeigen, wie Menschen wirklich nach Pfannenwendern suchen.

Checkliste

  • Das Suchfeld steht dort, wo Menschen es erwarten, und ist auf dem Desktop als offenes Eingabefeld sichtbar.
  • Das Feld ist breit genug für typische Anfragen und hat eine Beschriftung, die Screenreader vorlesen.
  • Die Anfrage bleibt nach dem Absenden im Suchfeld stehen.
  • Autocomplete zeigt wenige, kuratierte Vorschläge, die alle zu passenden Ergebnissen führen, und ist per Tastatur bedienbar.
  • Leichte Tippfehler führen trotzdem zu Ergebnissen, Korrekturen sind transparent gekennzeichnet.
  • Eine Synonymtabelle bildet Alltagsbegriffe, Abkürzungen und Schreibvarianten auf den Bestand ab.
  • Service-Themen wie Versand, Rücksendung oder Kontakt sind über die Suche auffindbar.
  • Die Seite ohne Treffer sagt klar, dass nichts gefunden wurde, und bietet konkrete Wege weiter.
  • Filter passen zum Sortiment, aktive Filter sind sichtbar und leicht zu entfernen.
  • Die Suche durchsucht standardmäßig die ganze Website, Einschränkungen sind deutlich benannt.
  • Das Suchlog wird regelmäßig ausgewertet: häufigste Anfragen, Anfragen ohne Treffer, lange Anfragen, Nummern.
  • Die häufigsten Anfragen werden regelmäßig selbst getestet und in Usability-Tests als Aufgaben genutzt.

Quellen

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