UX-Glossar
Microcopy
Microcopy sind die kurzen Texte in einer Oberfläche, etwa Button-Beschriftungen, Hinweise und Fehlermeldungen. Sie beantworten Fragen genau in dem Moment, in dem sie entstehen.
Stell dir vor, du willst dich bei einem Online-Shop registrieren. Du tippst ein Passwort ein und bekommst die Meldung „Ungültige Eingabe“. Was ist falsch? Zu kurz? Ein Sonderzeichen zu viel? Nach dem dritten Versuch schließt du den Tab.
Hätte unter dem Feld ein kurzer Satz gestanden wie „Mindestens 8 Zeichen, davon eine Zahl“, wärst du in zehn Sekunden fertig gewesen. Genau solche kleinen Texte nennt man Microcopy.
Einfach erklärt
Microcopy sind die kurzen Texte in einer Oberfläche: Beschriftungen von Buttons, Hinweise unter Formularfeldern, Platzhalter, Fehlermeldungen, Bestätigungen oder der Satz auf einer leeren Seite. Oft sind es nur ein paar Wörter. Trotzdem entscheiden sie mit darüber, ob Menschen ihr Ziel erreichen.
Im Alltag kennst du das von Beschilderung: Ein Schild „Ausgang“ mit Pfeil hilft dir mehr als eine schöne Wandfarbe. Microcopy ist die Beschilderung einer App oder Website. Sie steht genau dort, wo eine Frage entsteht, und beantwortet sie.
Als Ursprung des Begriffs wird häufig ein Blogartikel des Designers Joshua Porter von 2009 genannt. Porter beschreibt sinngemäß, dass Microcopy klein, aber wirkungsvoll ist, weil sie im Kontext steht und eine konkrete Frage im richtigen Moment beantwortet. Sein Beispiel: In einem Bestellformular scheiterten viele Zahlungen, weil Menschen eine andere Adresse eingaben als die, die bei ihrer Kreditkarte hinterlegt war. Ein einziger Hinweis über dem Formular hat diese Fehler laut Porter beseitigt.
Wo Microcopy den Unterschied macht
Buttons sollten sagen, was passiert: „Konto erstellen“ statt „Weiter“, „Zahlungspflichtig bestellen“ statt „OK“. Fehlermeldungen erklären laut Nielsen Norman Group am besten in einfacher Sprache, was genau schiefging und wie man es behebt, ohne den Menschen die Schuld zu geben. Wörter wie „ungültig“ oder „falsch“ wirken schnell wie ein Vorwurf. Hinweise nehmen Unsicherheit, bevor sie entsteht, etwa „Wir geben deine Nummer nicht weiter“ neben dem Telefonfeld.
Gute Microcopy senkt die kognitive Belastung: Wer nicht raten muss, braucht weniger Denkarbeit. Wie das in Formularen konkret aussieht, zeigt der Artikel Formulare, die niemand abbricht: 12 Regeln für bessere Formular-UX.
Ein Beispiel
Vorher steht unter einem Newsletter-Formular nur ein Button „Senden“. Nach dem Klick erscheint „Erfolgreich“. Viele fragen sich, ob sie jetzt angemeldet sind oder noch etwas tun müssen.
Nachher heißt der Button „Newsletter abonnieren“. Darunter steht „Einmal im Monat, jederzeit abbestellbar“. Nach dem Klick: „Fast geschafft. Bitte bestätige den Link in deinem Postfach.“ Drei kurze Sätze, und die offenen Fragen sind beantwortet.
In der Praxis
- Die Aktion benennen. Beschrifte Buttons mit dem, was danach passiert. Ein Verb plus Objekt funktioniert fast immer.
- Fehler lösen statt melden. Sag, was fehlt und wie es weitergeht. Behalte bereits eingegebene Daten, damit niemand von vorn anfangen muss.
- Ehrlich bleiben. Microcopy darf freundlich sein, aber nicht manipulieren. Formulierungen, die Menschen ein schlechtes Gewissen machen, gehören zu den Dark Patterns.
Verwandte Begriffe
Cognitive Load, Dark Patterns, Onboarding, Design System