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InsideUX Design

UX-Glossar

Onboarding

Onboarding ist der Einstieg neuer Nutzender in ein Produkt. Gutes Onboarding führt Menschen möglichst schnell zum ersten echten Erfolgserlebnis, statt ihnen vorab jede Funktion zu erklären.

Stell dir vor, du lädst eine neue App zum Aufteilen von Haushaltskosten herunter. Bevor du irgendetwas tun kannst, wischst du dich durch fünf bunte Erklärseiten. Danach landest du auf einem leeren Bildschirm und weißt trotzdem nicht, wie du die erste Ausgabe einträgst. Die Erklärungen hast du längst wieder vergessen.

Einfach erklärt

Onboarding bedeutet wörtlich „an Bord holen“. Der Begriff stammt aus dem Personalwesen und meint dort die Einarbeitung neuer Mitarbeitender. Im UX-Design beschreibt er alles, was Menschen hilft, in einem neuen Produkt anzukommen: von der Registrierung über die ersten Schritte bis zu dem Moment, in dem sie zum ersten Mal echten Nutzen erleben. Dieser Moment wird oft „Aha-Moment“ genannt.

Ein Vergleich aus dem Alltag: Wenn du neu in einem Sportverein bist, hilft dir kein dicker Ordner mit allen Regeln. Es hilft, wenn dir jemand beim ersten Training zeigt, wo die Umkleide ist, und dich direkt mitspielen lässt. Gutes Onboarding funktioniert genauso.

Warum Tutorials oft nicht helfen

Viele Apps setzen auf Einführungen, die vor der eigentlichen Nutzung alles erklären, etwa als Stapel aus Wischkarten. Die Nielsen Norman Group hat solche Tutorials 2020 in einer Studie mit vier iOS-Apps untersucht. Menschen, die das Tutorial gelesen hatten, lösten die Aufgaben nicht messbar besser als jene, die es übersprungen hatten. Sie empfanden die Aufgaben aber als schwieriger. Die Studie ist klein, das Signal ist trotzdem deutlich: Ein Tutorial kann eine einfache App komplizierter wirken lassen, als sie ist.

Der Grund liegt im Gedächtnis. Informationen ohne passenden Zusammenhang bleiben schlecht hängen. Hilfreicher ist Hilfe im Kontext, also genau dann, wenn jemand sie braucht: ein Hinweis direkt am Eingabefeld, ein kurzer Tipp beim ersten Öffnen einer Funktion oder ein leerer Zustand, der erklärt, was hier hingehört.

Ein Beispiel

Zurück zur Haushalts-App. Vorher gibt es fünf Erklärseiten und danach einen leeren Bildschirm mit dem Text „Keine Einträge“. Viele schließen die App an dieser Stelle wieder.

Nachher entfallen die Erklärseiten. Der leere Bildschirm sagt: „Noch keine Ausgaben. Trag deinen ersten Einkauf ein und teil ihn mit deiner WG.“ Darunter steht ein großer Button „Erste Ausgabe eintragen“. Nach dem Speichern zeigt ein kurzer Hinweis, wie man Mitbewohnende einlädt. Wer die App öffnet, erledigt also sofort eine echte Aufgabe und lernt nebenbei.

Häufige Missverständnisse

Onboarding ist nicht dasselbe wie ein Tutorial. Gutes Onboarding steckt oft unsichtbar im Produkt: in klarer Microcopy, sinnvollen Voreinstellungen und Funktionen, die nach und nach auftauchen, statt alle auf einmal. Dieses schrittweise Aufdecken heißt Progressive Disclosure. Wie kleine Rückmeldungen dabei helfen, zeigt der Artikel Was sind Microinteractions und wie kann man diese einsetzen?

In der Praxis

  • Definiere den ersten Erfolg. Leg fest, welche Handlung zeigt, dass jemand den Nutzen verstanden hat. Baue den Einstieg so, dass Menschen diese Handlung schnell erreichen.
  • Erkläre im Moment, nicht vorab. Zeig Hinweise dort, wo sie gebraucht werden, und mach sie leicht wegklickbar. Wer etwas überspringt, muss es später wiederfinden können.
  • Nutze leere Zustände. Ein leerer Bildschirm ist die beste Stelle für einen klaren nächsten Schritt. Ein Button, der direkt zur ersten Aufgabe führt, hilft mehr als ein Satz wie „Keine Daten“.

Verwandte Begriffe

Progressive Disclosure, Microcopy, Cognitive Load

Quellen