UX-Glossar
Hick’s Law
Hick’s Law besagt, dass Entscheidungen länger dauern, je mehr gleichwertige Optionen zur Wahl stehen. Die Zeit wächst dabei aber deutlich langsamer als die Zahl der Optionen.
Stell dir vor, du stehst in einem Café vor einer Tafel mit 40 Kaffeesorten, zwölf Milchvarianten und acht Sirups. Hinter dir wird die Schlange länger, und du bestellst am Ende einfach einen Cappuccino, weil das Entscheiden zu lange dauert. Im Café nebenan gibt es sechs Getränke, und du weißt nach wenigen Sekunden, was du willst.
Einfach erklärt
Hick’s Law, auch Hick-Hyman-Gesetz genannt, beschreibt einen Zusammenhang aus der experimentellen Psychologie: Je mehr gleichwertige Optionen du hast, desto länger brauchst du für die Entscheidung. Benannt ist es nach dem britischen Psychologen William Edmund Hick und dem US-Psychologen Ray Hyman. Hick veröffentlichte seine Experimente 1952, Hyman folgte 1953. In beiden Studien sollten Menschen so schnell wie möglich auf eines von mehreren Lichtsignalen reagieren.
Das Spannende daran: Die Zeit wächst nicht im gleichen Maß wie die Zahl der Optionen, sondern deutlich langsamer. Mathematisch steigt sie logarithmisch. Doppelt so viele Optionen bedeuten also nicht doppelt so lange Bedenkzeit, sondern nur etwas mehr. Eine gängige Erklärung: Menschen teilen die Auswahl im Kopf in Gruppen auf und schließen bei jedem Schritt ungefähr die Hälfte aus, ähnlich wie beim Spiel „Ich denke mir eine Zahl zwischen 1 und 100“. Eine kompakte Übersicht zu Hick’s Law und verwandten Prinzipien bietet die Ressource Laws of UX.
Wo das Gesetz gilt und wo nicht
Hick’s Law wird im UX-Design oft als Argument für möglichst kurze Menüs genutzt. Das ist nur teilweise richtig. Der logarithmische Zusammenhang gilt vor allem dann, wenn Menschen die Optionen schon kennen und schnell einordnen können, etwa bei einer alphabetisch sortierten Liste, in der sie einen bekannten Namen suchen.
Bei einer unsortierten Liste mit unbekannten Einträgen müssen Menschen dagegen jeden Punkt einzeln lesen. Dann steigt die Zeit eher linear, und Hick’s Law ist nicht das passende Modell. Dazu kommt: Wenige Optionen sind kein Selbstzweck. Werden Menüs zu stark gekürzt, landen Inhalte in tieferen Ebenen und sind schwerer zu finden. Diese Abwägung zwischen Breite und Tiefe beschreibt der Artikel Flat vs Deep Hierarchy: Welche Struktur ist die Beste?
Ein Beispiel
Ein Beispiel: Ein Software-Anbieter zeigt auf seiner Preisseite fünf Tarife mit jeweils 25 Merkmalen nebeneinander. Viele Interessierte vergleichen lange, öffnen die Seite mehrfach und kaufen am Ende nichts.
Nach der Überarbeitung gibt es drei Tarife. Der mittlere ist als „Für die meisten Teams“ hervorgehoben, und pro Tarif stehen nur die fünf wichtigsten Unterschiede direkt sichtbar. Die vollständige Vergleichstabelle bleibt erreichbar, ist aber eingeklappt. Kein Merkmal ist verschwunden, nur die Entscheidung ist leichter geworden.
In der Praxis
- Gruppieren statt streichen. Ordne viele Optionen in verständliche Kategorien. So triffst du mehrere kleine Entscheidungen statt einer großen.
- Eine Empfehlung anbieten. Eine hervorgehobene Standardoption nimmt Menschen viel Abwägen ab, ohne ihnen etwas wegzunehmen.
- Gut sortieren. Nutze eine Reihenfolge, die Menschen nachvollziehen können, zum Beispiel alphabetisch, nach Häufigkeit oder nach Ablauf. Nur dann können sie die Auswahl schnell eingrenzen.
Verwandte Begriffe
Cognitive Load, Fitts’ Law, Progressive Disclosure, Informationsarchitektur