UX-Glossar · engl. Usability
Usability
Usability (Gebrauchstauglichkeit) beschreibt, wie gut Menschen ein Produkt nutzen können, um ihr Ziel zu erreichen: wirksam, ohne unnötigen Aufwand und mit einem guten Gefühl.
Stell dir vor, du willst am Bahnhof schnell ein Ticket kaufen. Der Automat zeigt dir zehn Tarifoptionen mit Abkürzungen, die du nicht kennst, der Zurück-Button setzt alles auf Anfang, und am Ende nimmt er deine Karte nicht. Der Zug fährt ohne dich. Technisch funktioniert der Automat. Benutzbar ist er trotzdem nicht.
Genau um diesen Unterschied geht es bei Usability.
Einfach erklärt
Usability, auf Deutsch Gebrauchstauglichkeit, beschreibt, wie gut sich ein Produkt benutzen lässt. Ein Vergleich aus dem Alltag: Zwei Dosenöffner können beide eine Dose öffnen. Mit dem einen geht es in Sekunden, mit dem anderen brauchst du drei Anläufe und schneidest dich fast. Beide funktionieren, aber nur einer ist gebrauchstauglich.
Die Norm ISO 9241-11 definiert Usability sinngemäß so: Bestimmte Menschen können ein Produkt in einem bestimmten Nutzungskontext verwenden, um bestimmte Ziele effektiv, effizient und zufriedenstellend zu erreichen. Effektiv heißt: Das Ziel wird überhaupt erreicht. Effizient heißt: ohne unnötigen Aufwand. Zufriedenstellend heißt: Die Nutzung fühlt sich nicht nach Kampf an.
Woran du gute Usability erkennst
Jakob Nielsen beschreibt fünf Qualitätsmerkmale, an denen du dich gut orientieren kannst:
- Erlernbarkeit: Wie schnell kommen Menschen beim ersten Kontakt zurecht?
- Effizienz: Wie zügig arbeiten sie, wenn sie das Produkt kennen?
- Einprägsamkeit: Finden sie sich nach einer Pause wieder zurecht?
- Fehler: Wie oft passieren Fehler, wie schwer sind sie, und wie leicht lassen sie sich beheben?
- Zufriedenheit: Wie angenehm ist die Nutzung?
Wichtig ist das Wort „bestimmte“ in der Definition. Usability ist keine feste Eigenschaft eines Produkts, sondern hängt davon ab, wer es in welcher Situation nutzt. Eine Profi-Software für Videoschnitt darf komplexer sein als eine App zum Fotos-Teilen.
Usability ist außerdem ein Teil der größeren User Experience. Die umfasst das gesamte Erlebnis mit einem Angebot, also auch Erwartungen, Gefühle und alles, was vor und nach der Nutzung passiert. Mehr dazu im Artikel Was ist Usability?.
Ein Beispiel
Ein Beispiel: Ein Online-Shop verlangt beim Bezahlen das Geburtsdatum in einem Freitextfeld. Manche tippen „1.4.88“, andere „01.04.1988“, viele bekommen eine Fehlermeldung, die nur „Ungültige Eingabe“ sagt. Ein Teil bricht ab.
Nach der Überarbeitung zeigt das Feld ein Beispielformat, akzeptiert verschiedene Schreibweisen und erklärt im Fehlerfall, was erwartet wird. Die Aufgabe ist dieselbe, nur die Gebrauchstauglichkeit ist besser.
In der Praxis
- Teste mit echten Menschen. Ein kleiner Usability-Test zeigt Probleme, die das Team selbst nicht mehr sieht.
- Prüfe vorher mit Erfahrungswissen. Eine heuristische Evaluation findet offensichtliche Schwächen schnell und günstig.
- Miss, ob es besser wird. Kennzahlen wie Erfolgsquote, Bearbeitungszeit oder die System Usability Scale machen Fortschritt sichtbar. Typische Stolperfallen sammelt der Artikel Häufige Usability-Fehler und wie man sie vermeidet.
Verwandte Begriffe
Usability-Test, Heuristische Evaluation, System Usability Scale, Cognitive Load